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Beißhemmung - wie gewöhne ich das Zwicken ab?

Autorenbild: Angela Hartmann
Angela Hartmann
16. Sept.
7 Min. Lesezeit


Heute nehmen wir uns dem wichtigen Thema die Beißhemmung an.

Jeder Hundehalter bekommt damit zu tun, der eine etwas früher und der andere etwas später.


Als Erstes muss man verstehen, dass Hunde über ihre Schnauze kommunizieren und damit ihre Welt entdecken.


Welpen spielen über den Fang miteinander, Hunde tragen Gegenstände im Maul herum und erkunden diese. Das bedeutet: Euer Welpe möchte euch nicht absichtlich zwicken, verletzen oder ärgern.


Von diesem Gedanken müsst ihr euch erst einmal frei machen.


Trotzdem muss der Welpe bei euch lernen, dass menschliche Haut nicht in den Mund genommen wird – genauso wenig Kleidung oder Haare.


Hier ist es wichtig, dass bereits die ersten Anfänge ruhig und konsequent unterbunden werden. Denn der Welpe hat beim Züchter bereits erste Erfahrungen mit Beißhemmung gemacht. Bei euch wird er nun vorsichtig ausprobieren, welche Regeln gelten.


Manchmal passiert das Zwicken ganz zart, manchmal steigert sich der Welpe hinein und manchmal entsteht es einfach aus dem Spiel oder aus einer Übersprungshandlung heraus.


Wichtig ist:


Ein Welpe, der mit euch spielt und euch dabei zwickt, möchte euch nicht kontrollieren oder begrenzen.


In diesem jungen Alter ist es in erster Linie Spiel. Er kennt eure Regeln schlicht noch nicht.


Wie kann ich meinem Welpen nun beibringen, dass ich nicht gezwickt werden möchte?


Tipp 1: Macht eure Hände nicht unnötig interessant


Streckt keinen einzelnen Finger in Richtung des Welpen.


Das wird häufig als Einladung verstanden. Der Welpe möchte euren Finger mit dem Fang erkunden und wird ganz automatisch versuchen, ihn ins Maul zu nehmen oder zart darauf zu beißen.


Gerade am Anfang findet man das vielleicht noch süß.


Aber genau hier beginnen eure Regeln.


Versucht deshalb, die Finger zusammenzuhalten oder eine lockere Faust zu bilden, um keinen zusätzlichen Entdeckungsanreiz zu geben.


Welpen sind am Anfang noch nicht auf all unsere menschlichen Signale konditioniert. Deshalb finde ich es besonders fair, zunächst viel über Körpersprache zu kommunizieren.


Und damit kommen wir zu einem wichtigen Punkt:


Raumzuweisung.


Was meine ich mit Raumzuweisung?


Stellt euch vor, ihr sitzt auf dem Boden und spielt oder trainiert mit eurem Welpen.


Nun stellt euch um euch herum einen Hula-Hoop-Reifen vor.


Das ist euer persönlicher Radius.


Wenn euer Welpe sich in diesem Radius unangemessen verhält – zum Beispiel zwickt, euch anspringt oder völlig überdreht – dann bekommt dieses Verhalten eine Konsequenz:


Er muss euren Raum verlassen.


Ihr könnt den Welpen ruhig an der Schulter berühren, ein akustisches Signal geben – beispielsweise „Nein“, „Aus“ oder „Pfui“ – und ihn mit einer ruhigen Bewegung aus eurem persönlichen Radius führen beziehungsweise mit der flachen Hand auf Abstand bringen.


Ruhig, aber bestimmt.


Wichtig ist: Es geht nicht darum, den Welpen zu erschrecken oder ihm weh zu tun.


Ihr zeigt ihm lediglich:


Dieses Verhalten möchte ich in meiner Nähe nicht haben.


Erst wenn der Welpe euren Raum respektiert, sich beispielsweise hinsetzt oder ruhig vor euch steht, ladet ihr ihn mit einer einladenden Armbewegung wieder zu euch ein.


Dadurch entsteht ein klares Nähe-Distanz-Verhältnis.


Wir von Royal Diamonds arbeiten bereits mit unseren Welpen nach dem Nähe-Distanz-Prinzip.


Der Welpe lernt sehr schnell:


Wenn ich mich ruhig verhalte, darf ich bei meinem Menschen sein. Wenn ich mich unangemessen verhalte, entsteht Abstand.


.


Was mache ich, wenn mein Welpe die Korrektur nicht annimmt?


Dann bleibt ihr ruhig, bestimmt und fair.


Hunde kommunizieren sehr viel über Körpersprache. Häufig kann man beobachten, dass Signale in ihrer Deutlichkeit zunehmen.


Ich erkläre das gerne mit einem Ampelsystem.


Grün


Auf der grünen Stufe geht es zunächst um Körpersprache:


anschauen, Körperhaltung verändern, Raum begrenzen.


Beim Menschen kann das bedeuten:


Der Welpe wird leicht an der Schulter berührt, ihr gebt euer akustisches Signal und weist ihn ruhig aus eurem Radius.


Keine Hektik, kein Geschrei.


Einfach klar.


Orange


Reagiert der Welpe darauf überhaupt nicht, dürft ihr deutlicher werden.


Ihr begrenzt ihn klarer mit eurem Körper und eurer Hand, gebt euer Signal und führt ihn aus eurem Radius.


Die Intensität eurer Kommunikation wird also etwas deutlicher – aber weiterhin kontrolliert und ruhig.


Rot


Wenn ein Welpe völlig hochgefahren ist und eure vorherigen Signale nicht mehr wahrnimmt, darf die körperliche Begrenzung eindeutiger werden.


Das bedeutet für mich jedoch ausdrücklich nicht, den Hund zu schlagen, zu kneifen, zu schütteln oder ihm Schmerzen zuzufügen.


Ihr könnt ihn an der Schulter beziehungsweise am Körper sicher begrenzen, aus eurem Radius führen und euer akustisches Signal deutlicher einsetzen.


Ziel ist immer, den Kontakt zur Situation zu unterbrechen und dem Welpen wieder eine klare Orientierung zu geben.


Ganz wichtig - Es werden keine Hunde geschlagen und es wird keine Gewalt angewendet.


Das Anfassen dient dazu, den Welpen aus der Situation herauszunehmen, Kontakt zu ihm aufzubauen und ihm anschließend durch Nähe und Distanz zu zeigen, welches Verhalten erwünscht ist und welches nicht.


Eine Korrektur sollte niemals aus Wut entstehen.


Bleibt ruhig.


Bleibt klar.


Bleibt fair.



Tipp 2: Trainiert ein Tauschgeschäft


Trainiert mit eurem Welpen frühzeitig, dass er Dinge mit euch tauscht.


Damit könnt ihr euer Kommando „Aus“, „Nein“ oder ein anderes von euch gewähltes Signal sinnvoll aufbauen und festigen.


Das macht euch den Alltag später deutlich leichter.


Hat der Welpe beispielsweise einen Gegenstand im Maul, bietet ihm etwas Interessantes zum Tausch an.


In dem Moment, in dem er den Gegenstand loslässt, gebt ihr euer Signal und belohnt ihn.


Der Welpe lernt dadurch:


Etwas abzugeben bedeutet nicht automatisch, dass mir alles weggenommen wird. Kooperation mit meinem Menschen lohnt sich.


Gerade junge Hunde achten sehr stark auf unsere Körpersprache.


Deshalb ist Kommunikation immer auch von der Dynamik zwischen Hund und Mensch abhängig.


Wichtig: Geht einem Konflikt nicht einfach aus dem Weg


Wenn ihr eine Grenze gesetzt habt, solltet ihr nicht beim ersten Widerstand eure eigene Regel wieder zurücknehmen.


Auch wenn eine Diskussion manchmal etwas länger dauert:


Bleibt ruhig und setzt eure Grenze durch.


Liebevoll, aber bestimmt.


Dabei geht es nicht darum, einen Machtkampf zu gewinnen.


Es geht darum, für den Welpen verlässlich zu sein.


Heute darf etwas nicht verboten sein, morgen erlaubt und übermorgen wieder verboten.


Nur durch Klarheit kann euer Welpe verstehen, was ihr eigentlich von ihm möchtet.


Hört das Zwicken irgendwann von alleine auf?


Viele Welpen werden mit zunehmendem Alter natürlich ruhiger.


Aber ihr solltet euch nicht darauf verlassen, dass sich jedes unerwünschte Verhalten einfach auswächst.


Aus kleinen Welpen werden sehr schnell große Hunde.


Wenn ihr eurem Hund nicht beigebracht habt, dass Hände, Kleidung und Haare tabu sind, fehlt ihm diese Information.


Gerade beim Thema Beißhemmung legt ihr bereits wichtige Grundlagen für eure spätere Kommunikation.


Was mache ich, wenn der Welpe wild um mich herum springt?


Das wird euer Welpe immer wieder tun.


Oft möchte er euch damit schlicht zum Spielen auffordern.


Hier könnt ihr frühzeitig eine Alternative anbieten – zum Beispiel einen Dummy, ein Tau oder ein anderes geeignetes Spielzeug.


In diesem Moment zeigt der Welpe:


Ich möchte spielen. Beschäftige dich mit mir.


Bitte verwechselt das nicht automatisch damit, dass er euch testen, kontrollieren oder ärgern möchte.


Welpen denken nicht so kompliziert über unsere menschlichen Beziehungen nach, wie wir manchmal glauben.


Gebt seiner Energie lieber eine sinnvolle Richtung.


Die Hausleine als Hilfe im Alltag


Zeitweise kann auch eine Hausleine sehr hilfreich sein.


Mit ihr könnt ihr den Welpen in bestimmten Situationen schneller stoppen und Ruhe hineinbringen, ohne ihm ständig hinterherlaufen oder hektisch nach ihm greifen zu müssen.


Gerade wenn Kinder im Haushalt leben, kann eine Hausleine den Eltern dabei helfen, Situationen besser zu lenken.


Natürlich gilt:


Die Hausleine wird nur unter Aufsicht verwendet.


Der Welpe darf damit nicht unbeaufsichtigt herumlaufen und sich irgendwo verfangen können.


Und jetzt kommt ein ganz wichtiger Punkt


Bevor ihr euren Welpen korrigiert, stellt euch bitte einige Fragen:


Wie viel hat mein Welpe heute geschlafen?


Konnte er sich körperlich und vor allem geistig angemessen beschäftigen?


Oder war es vielleicht sogar zu viel?


Hatte er heute besonders viele neue Eindrücke?


War Besuch da?


Hat er neue Hunde oder Menschen kennengelernt?


War der Tagesablauf ungewöhnlich aufregend?


Ihr müsst immer auch reflektieren, wie der gesamte Tag für euren Welpen war.


Erst dann könnt ihr angemessen entscheiden, was er in diesem Moment eigentlich benötigt.


Nicht jeder wilde Welpe braucht eine Korrektur


Ein Welpe, der den ganzen Tag viele Eindrücke gesammelt hat, schlecht zur Ruhe kommt oder zu wenig geschlafen hat, benötigt häufig keine stärkere Korrektur.


Er benötigt Ruhe.


Das ist ein sehr wichtiger Unterschied.


Ein übermüdeter Welpe wird nämlich nicht zwangsläufig langsam und schläfrig.


Ganz im Gegenteil.


Viele Welpen drehen dann erst richtig auf.


Sie rennen durch die Wohnung, springen Menschen an, zwicken in Hände und Kleidung und scheinen überhaupt nicht mehr ansprechbar zu sein.


Hier muss ich mich als Mensch fragen:


Diskutiere ich gerade mit meinem Welpen über eine Regel – oder ist mein Welpe schlicht vollkommen überfordert und müde?


In solchen Situationen können feste Ruhezeiten, weniger Reize, ein ruhiger Rückzugsort und körperliche Nähe helfen.


Manche Welpen kommen auch durch ruhiges Kuscheln oder sanftes Halten am Körper besser herunter.


Dabei geht es nicht darum, einen Welpen festzuzwingen, sondern ihm Sicherheit und Ruhe anzubieten.


Beobachtet euren Welpen


Versucht herauszufinden, ob es bestimmte Muster gibt.


Passiert das Zwicken immer abends?


Nach langen Spaziergängen?


Nach Besuch?


Wenn die Kinder toben?


Nach wildem Spiel?


Oder immer dann, wenn der Welpe eigentlich längst schlafen müsste?


Wenn ihr diese Muster erkennt, könnt ihr viel früher handeln.


Dann müsst ihr nicht erst reagieren, wenn der Welpe bereits völlig aufgedreht ist.


Ihr könnt Situationen vorher umlenken, abschwächen oder gar nicht erst entstehen lassen.


Und genau das ist für mich gute Hundeerziehung.


Das Ziel ist nicht die Korrektur


Das Ziel unserer Erziehung sollte niemals sein, möglichst viele Situationen korrigieren zu müssen.


Das Ziel ist, dass der Welpe versteht, was wir von ihm möchten.


Wir müssen ihm Grenzen geben.


Wir müssen ihm aber genauso Alternativen zeigen.


Wir müssen konsequent sein und gleichzeitig lernen, unseren Hund zu lesen.


Denn nicht jedes Zwicken bedeutet dasselbe.


Manchmal ist es Spiel.


Manchmal Aufregung.


Manchmal Überforderung.


Und manchmal ist der Welpe einfach nur todmüde.


Je besser ihr euren Welpen kennenlernt, desto leichter wird es euch fallen, angemessen zu reagieren.


Ruhig, liebevoll, bestimmt und fair.


Denn am Ende geht es nicht darum, wer einen Konflikt gewinnt.


Es geht darum, dass Hund und Mensch lernen, einander zu verstehen.


Das Ziel ist nicht die Korrektur, sondern ein harmonisches Miteinander.


Bilder sind mit Hilfe der KI entstanden.

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Steuernummer 115/5736/1016

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Beratungen bieten wir gerne telefonisch an oder können einen Termin in der Woche vormittags anbieten.

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Tierarzt

Unsere Zucht wird von

 

Herrn Dr. Schwarz aus Dormagen betreut.

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